Idomeni – Autovermietung

Angekommen in Thessaloniki. Erster Eindruck: überall Schilderwald, fast schon Urwald und alles voller Grafitti. Am meisten hat mich jedoch das Gespräch mit dem Mitarbeiter der Autovermietung nachdenklich gestimmt. Er sagt: „Pass bloß auf in Idomeni. Das ist echt schlimm da. Die Flüchtlinge schmeißen mit Steinen. Das ist da echt gefährlich.“
Er spricht sehr gut Deutsch und erzählt, dass er achtzehn Jahre in Deutschland gelebt hat. Später sagt er: „Das Problem mit den Flüchtlingen ist, dass die sich nicht anpassen wollen. Die können sich nicht anpassen.“ Ich frage ihn , wie man sich denn anpassen soll, wenn man zwei Monate im Schlamm in einem kleinem Zelt leben muss und es an Nahrungsmittel fehlt und alle um einem herum krank sind. Darauf abtwortet er: „Als ich in Kassel gelebt habe, da waren auch Flüchtlinge, die konnten sich auch nicht integrieren. Die können das einfach nicht.“
Ich bevorzuge es zu schweigen und frage mich, ob Pegida auch in Griechenland Fuß gefasst hat.

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6 Gedanken zu “Idomeni – Autovermietung

  1. die Angst des kleinen Mannes vor Neuem;
    die Angst der breiten Masse vor Veränderungen: lieber immer weiter so wie jetzt (auch wenn das vielleicht nicht ideal ist, aber es ist zumindest bekannt) als etwas Neues (Unbekanntes) zu wagen.
    so hätte sich die Menschheit nie weiterentwickelt …

  2. Ich finde man sollte offen über die Ängste der Pegida Anhänger reden und Sie nicht immer einfach als „dumm“ abstempeln. Sonst treibt man den Keil nur noch tiefer in die Gesellschaft.

    • Hallo Rainer,

      ich habe kein Problem offen über Ängste der Menschen zu reden. Im Gegenteil versuche ich diesen, im Rahmen meiner Möglichkeiten, entgegenzuwirken. Es gibt nur Situationen, wo es keinen Sinn macht zu diskutieren. Und vor allem gibt es Menschen, bei denen man sofort merkt, dass sie gar nicht diskutieren wollen, und niemals die eigenen Vorurteile in Frage stellen würden. Ach ja und als dumm habe ich in diesem Text niemanden abgestempelt. Ich denke sogar, dass es hier nicht um Intelligenz geht, sondern, wenn dann um mangelnde Empathie.
      Viele Grüße
      Karim

      PS: ich habe mir erlaubt den „Pepita“ Fehler im Kommentar zu beheben 😉

  3. ich denke nicht, daß diese Angst mit Dummheit zu tun hat, sie ist wohl ein tief im Unterbewußtsein verankertes Sicherheits(?)- Feature. Es braucht ehr Mut und Wollen, das Unbekannte zu wagen …

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